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kulturhistorische Analyse der Gebiete Kuks und Betlém auf dem Territorium der ehemaligen Stiftungsherrschaft Choustníkovo Hradiště

   

„Die einzigartige, vor dreihundert Jahren im Elbtal bei der Stadt Dvůr Králové gestaltete Barocklandschaft ist bis heute ein wertvolles Zeugnis ihrer Zeit. Hier blieb viel von der komponierten, sich uns noch nicht vollständlig erschließenden, großartigen Idee des Grafen Franz Anton Sporck erhalten, in dessen Zeit der Ort seine größte Blütezeit und Berühmtheit erlebte. Dem Besucher erschließen sich heute nur allmählich die geheimnisvollen Winkel und Schicksalsetappen dieses wunderbaren Kurorts und die Barocklandschaft gibt nur zögernd ihre vergessenen Geheimnisse preis“.

 

 

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Titel des Projekts

Kulturhistorische Analyse der Gebiete Kuks und Betlém auf dem Territorium der ehemaligen Stiftungsherrschaft Choustníkovo Hradiště (Gradlitz)

 

Art des Ergebnisses

Abschlussbericht

 

 

Autoren

 

Fachgarant VÚKOZ, v.v.i

Hendrych Jan

Koordinator

Jech David

GIS Fachmann

Skaloš Jan

DTB Fachmann

Dlouhá Eva

Historische Untersuchung

Vávrová Věra

Fachliche Unterstüzung vom Nationalen Denkmalamt

Ličeníková Michaela, Truxová Ina, Jančo Milan

North Carolina State University

Laura Demink

Weitere Zusammenarbeit

Borský Jan, Baroš Adam, Bendíková Lucia

Technische Hilfe

Janoušková Jana, Petržílková Jana

 

 

 

  

 

Kontakt 

Silva Tarouca Research Institute for Landscape and Ornamental Gardening, Publ. Res. Inst.

Departement of cultural landscape and sites

 

Květnové náměstí 391

252 43 Průhonice

Czech republic

 

http://www.vukoz.cz

hendrych@vukoz.cz, jech@vukoz.cz, universe@centrum.cz

 

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International Zusammenarbeit 

Im Rahmen des Projekts „Entwicklung von Konzeptionen und Instrumenten zum Schutz mittel-und osteuropäischer Kulturlandschaften des Welterbes“

 

UNESCO World Heritage Centre (WHC UNESCO)

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Fachhochschule Potsdam (FHP)

Brandenburgische Technische Universität Cottbus (BTU)

North Carolina State University

Pennsylvania State University

National heritage institute Czech republic (NPÚ)

 

 

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Angewandte technische Mittel

GIS: ArcView 3,2; Topol 6.5; FGis 2005; DTB: Microsoft Access 2002; Claris 4.0

 

 

Im Rahmen der Vorbereitung wurden die Ergebnisse der Forschungsvorhaben HKK_5016 und HKK_5018 und fachliche Unterlagen des Umweltministeriums der Tschechischen Republik genutzt.

 

 

 

 

Zur Einführung

Der Schutz von Kulturlandschaften ist ein hochgradig politischer Akt. Er stellt ein Disziplinen übergreifendes Grenzgebiet dar, das so unterschiedliche Arbeitsbereiche wie den Naturschutz, die Boden-, Bau-und Gartendenkmalpflege sowie die Raumordnung und Regionalplanung einschließt. Das gemeinsame Interesse an der Erhaltung historischer Kulturlandschaften sowie die gesetzlich festgelegten Pflichten hierzu bieten (jedenfalls in Deutschland) zunächst ein relativ gutes Fundament für die gemeinsame Bewältigung dieser Aufgabe. Es gibt in den Erhaltungsinteressen zahlreiche Gemeinsamkeiten, die es für den Schutz und den Erhalt der jeweiligen Kulturlandschaft zu nutzen gilt, zugleich aber kennzeichnen unterschiedliche Interessen die oft hitzigen Debatten in der Kulturlandschaftspflege. So wie die Kulturlandschaft selbst durch die Überlagerung von Strukturen aus verschiedenen Zeiten geprägt ist, so ist die Pflege und der Erhalt einer Kulturlandschaft das Produkt unterschiedlicher Interessen, die es mit einander zu harmonisieren gilt.

 

Der hier vorgelegte Bericht erzählt in großer Fülle von diesen Chancen, Herausforderungen und Schwierigkeiten des Erhalts einer einzigartigen, im 17. Jahrhundert angelegten Kulturlandschaft in Ostböhmen. Was Graf Sporck als Einheit plante und realisierte, zeigt sich heute in einzelnen Bereichen noch in seinen authentischen Gestaltungsstrukturen vollständig erhalten, in anderen jedoch nur noch fragmentiert überliefert. Aktuelle Verwaltungs- und Eigentumsgrenzen wie Fragen der kontinuierlichen Pflege und der langfristiger Erhaltungs- und Planungsstrategien bestimmen den heutigen Umgang mit dem nicht nur regional bedeutenden, sondern ebenso international anerkannten, wertvollen kulturhistorischen Erbe.

 

Für das Gebiet der tschechischen Republik dokumentiert die vorliegende Untersuchung erstmalig eine historische Kulturlandschaft in ihrer historischen und kulturellen Vielschichtigkeit. Neben der historischen und topographischen Analyse werden Rahmenbedingungen und Schwierigkeiten des aktuellen Managements dieser Erbestätte herausgearbeitet. Aus dem Untersuchungsgegenstand ergibt sich, daß die Studie zwingend interdisziplinär angelegt ist. Die Studie bringt also das derzeitig verfügbare Wissen über die Kulturlandschaft des Grafen Sporck zusammen in der Hoffnung, damit die Basis für die Entwicklung von Strategien und den nachhaltigen Umgang mit diesem fragilen Kunstwerk zu liefern.

 

Dass dies möglich wurde, ist in erster Linie der großzügigen Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zu danken. Die zeitaufwendige Dokumentation und Analyse der Kulturlandschaft des Grafen Sporck und seiner Entwicklung nach Sporcks Tod führte das Team des Silva Tarouca Forschungsinstituts in Pruhonice mit größtem Engagement, Begeisterung, Verlässlichkeit und hervorragender Sachkenntnis aus. Dafür sei Jan Hendrych und seinen Kolleginnen und Kollegen ganz besonders gedankt.

 

 

Sven Wallasch

FH Potsdam

 

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INHALT

 

1  Einführung

 

2  Identifizierung des Objekts

2.A) Land

2.B) Staat, Bezirk, Kreis, Verwaltungsgebiet, Kataster

2.C) Name des Objekts

2.D) genaue Lokalisierung des Objekts und geographische Koordinaten

2.E)  Festlegung der Grenzen des Untersuchungsobjekts

2.F)  Zonierung nach Funktionen und Festlegung der Flächen

 

3  Spezifizierung der Bedeutung des Standorts

3.A) Bedeutung des Objekts und des Standorts

3.B) Vergleichbare Objekte in Europa und in der Welt

3.C) Authentizität und Stand des Objekts

            3.C.a)  Hospital

            3.C.b) Bethlehem

3.D) Kriterien für die Eintragung

3.E)  Gründe für die Eintragung

            3.E.a) wirtschaftliche

            3.E.b)  historische

            3.E.c) kulturelle

            3.E.d) strategische

            3.E.e) gesellschaftliche und pädagogische

            3.E.f) ökologische

            3.E.g)  andere

 

4  Beschreibung des Objekts

4.A) Beschreibung des Objekts und kurze Charakteristika

4.B) Geschichte des Untersuchungsgebiets

            4.B.a)  Archivdokumente

            4.B.b) Beginn der Entwicklung der Kulturlandschaft

in der Nähe von Choustníkovo Hradiště

            4.B.c)  Franz Anton Graf Sporck

            4.B.d) Gründung von Kuks

            4.B.e)  Übersicht historischer Daten

4.C) Geografische Charakteristika des Objektes

            4.C.a)  Weitläufigere räumliche Verhältnisse und Lokalisierung des

Untersuchungsgebiets in der Tschechischen Republik

            4.C.b) Geologische Charakteristik

            4.C.c)  Geomorphologische Charakteristik

            4.C.d) Pädologische Charakteristika

            4.C.e)  Potenzielle natürliche Vegetation

            4.C.f) Klimatische Charakteristik

            4.C.g) Biogeographische Charakteristik

            4.C.h) Biotopverbundsystem           

4.D) Struktur und Nutzung / Beschreibung des Gebiets

 

5  Schutz, Wiederherstellung, Pflege und Entwicklung

5.A) Historische Entwicklungs– und Pflegephasen

            5.A.a) Historische Entwicklungs - und Pflegephasen

            5.A.b) Hospital Kuks

            5.A.c) Betlém – Entwicklungsetappen

5.B) Laufende Schutz- und Sanierungsprogramme

            5.B.a)  Kernzone

            5.B.b) Schutzzone

            5.C.c)  Weiträumigeres Untersuchungsgebiet

5.C) Bestehende Konzeptionen für Schutz und Entwicklung

5.D) Ergebnisse laufender Programme

 

6  Management

6.A) Ziele

6.B) Instrumente und Strukturen

            6.B.a)  Grundlegende Regulative, Grenzwerte und

Empfehlungen für einzelne Zonen

            6.B.b) Gestaltungssatzung für Neubauten und

Baumaßnahmen im Untersuchungsgebiet

            6.B.c)  Managementdatenbank der Interessenelemente,Methodik

6.C) finanzielle Voraussetzungen

6.D) personelle Voraussetzungen

6.E)  geplante Programme

6.F)  Eigentumsverhältnisse

6.G) Einbeziehung der Öffentlichkeit

 

7  Monitoring

7.A) Instrumente und Maßnahmen

7.B) Indikatoren des Zustandes

 

8  Dokumentation

8.A) Bibliographie

8.B) Quellen

8.C) Dokumentation der Geschichte

8.D) Bestandsdokumentation           

8.E)  rechtlicher Schutz

 

9  Auflistung der Dokumente

9.A) Alte Karten und Pläne

9.B) aktuelle Karten

9.C) Graphiken und Zeichnungen

9.D) Fotos

9.E)  Tabellen und Formulare

9.F)  Anschläge

 

 

10  Karten-, Text- und Bildanlagen

 

11  Team der Bearbeiter  von VÚKOZ, v.v.i.

                                                      

 

 

 

   

EINFŰHRUNG

 

 

Barocklandschaft von Franz Anton Sporck

 

Die Nationalen Kulturdenkmäler Kuks (ehem. Bad Kuckus) und Betlém (Bethlehem) gehören zu den bemerkenswertesten Werken der Barockzeit. Historisch gehören sie zur Herrschaft des Grafen Franz Anton Sporck (1662–1738) – Choustníkovo Hradiště – welche sich am südöstlichen Rand des Riesengebirgsvorlandes, am oberen Teil der Elbe befand. Mit seiner aufgeklärten Denkweise und der Fähigkeit, Ideen in Taten umzusetzen, verlieh der Graf dem Gebiet seine unverwechselbare Gestalt. Am Elbufer errichtete er die berühmte Kuranlage Kuckus-Bad (Kuks) und unweit davon das barocke Ensemble Bethlehem (Betlém)“. Der Graf wurde von hervorragenden Künstlern umgeben, welche den Geist der Barockkomposition vom Herrschaftzentrum ausgehend in alle Winkel der Herrschaft trugen. Für die Gestaltung von Skulpturwerken stellte nicht nur der qualitativ sehr gute Sandstein eine wichtige Materialquelle dar. Auch Elemente der Vegetation – Bäume – wurden zum Gegenstand künstlerischen Ausdrucks und kompositionsorientierter Landschaftswahrnehmung. Es entstand eine meisterhafte Verbindung von Barockarchitektur, Bildhauerkunst, Malerei und Natur zu einem komponierten Komplex. So entstand ein Spitzenwerk der Barocklandschaftskomposition mit einer außergewöhnlichen Konzentration künstlerischer Werke; ein Gebiet mit eigenem Genius Loci. Zugleich stellte Kuks in seiner Zeit an der Wende des 17. zum 18. Jahrhundert ein bedeutendes gesellschaftliches, kulturelles und geistliches Zentrum dar.

 

Im Rahmen des Projekts „Entwicklung von Konzeptionen und Instrumenten zum Schutz mittel- und osteuropäischer Kulturlandschaften des Welterbes“ wurde in internationaler Kooperation mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem World Heritage Centre (WHC), der Fachhochschule Potsdam und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus die Kulturlandschaft im Herrschaftsgebiet Choustníkovo Hradiště studiert. Das Thema dieses Teilprojekts war „Kulturhistorische Analyse der Gebiete Kuks und Bethlehem auf dem Territorium der ehemaligen Stiftungsherrschaft Choustníkovo Hradiště“.

 

Grundlage der Arbeit war das Studium der umfangreichen Literatur sowie die Zusammenstellung der historischen Dokumentation, wie Schriftwerke, Bildmaterialen und alte Karten. Hierbei wurde auf bewährte Methoden historischer Arbeit zurückgegriffen, welche z.B. bei bauhistorischen Untersuchungen angewandt werden. Historische Dokumente wurden verschiedenen Quellen – Archiven, Museen, Bibliotheken, Graphiksammlungen usw. entnommen. Eine große Bedeutung für die kulturhistorische Analyse des betreffenden Gebietes hatten die Kartenunterlagen mit historischen Malereien der Herrschaft aus der 1., 2. und 3. Militärkartierung, die Karten des Stabilen Katasters, die Luftaufnahmen vom Anfang des 20. Jahrhunderts sowie neuzeitliche Grundkarten und Orthofotokarten. Zur Verfügung standen zudem bauhistorische Untersuchungen des Nationalen Denkmalamtes, forstwirtschaftliche Pläne, digitale Kartenunterlagen des Umweltministeriums, fachliche Entwicklungsdokumente und bereits erarbeitete Studien über das Untersuchungsgebiet.

 

Nach dem Studium der verfügbaren Unterlagen folgten Geländeuntersuchungen des Gebiets. Hierbei wurden neue Erkenntnisse zum Gebiet gewonnen sowie Überlegungen und Theorien zum Charakter der Gestaltung der Sporckschen Landschaft überprüft. Durchgeführt wurden regionale räumliche Analysen, eine Fotodokumentation und eine sozioökonomische Untersuchung. Als ein weiteres Schlüsselergebnis entstand eine Datenbank, in der Kulturlandschaftselemente und Dokumente erfasst wurden.

 

Durch die oben genannten Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass F. A. Sporck und seine Künstler die Landschaft nicht nur respektierten, sondern auch im Sinne einer durchdachten Barockkomposition künstlerisch gestalteten. Gegenstand der künstlerischen Gestaltung war die Natur selbst mit ihrem Relief, den Fließgewässern, Waldbeständen, einzelnen pflanzlichen Elementen und insbesondere die spezifische Atmosphäre des Gebietes – Genius Loci.

 

Seine Beziehung zu Bäumen stellte Sporck in seinem Kryptogramm FAGUS (Franz Anton Graf von Sporck) dar, dessen Lettern seinen Namen symbolisieren.

 

Die Buche (lateinisch: fagus), Hauptbestandteil der natürlichen Waldbestände in der Sporckschen Herrschaft, wurde auch zum Gegenstand seines künstlerischen Interesses. Neben den freistehenden oder in den gewachsenen Stein hineingemeißelten Skulpturen ließ er im Gebiet des heutigen von Matthias Bernhard Braun gestalteten Bethlehem bei Kuks eine Buche künstlerisch so gestalten, dass sie den heiligen Eustach – den Jägerpatron – darstellte. Noch im Jahr 1778 wurde das Schnitzwerk von K. J. Biener von Bienenberg als geschnitzter und farbig gestalteter Heiliger beschrieben, welcher sich mit dem Wachstum des Baumes verändert.

 

Intensiver zeigte sich die künstlerische Gestaltung an lebenden Exemplaren des Buchenbestands im Marien- bzw. Hubertustal ca. 5km von Kuks entfernt am nordöstlichen Rand der Herrschaft. Das Tal war Jagdgebiet des Grafen Sporck und seiner Freunde. Der Historiker Biener von Bienenberg berichtet von dem Wald Bokouš bei Velká Bukovina, über den erzählt werde, die Heiligen wüchsen auf den Bäumen. Biener spricht von sich kreuzenden Alleen, in welchen sich viele geschnitzte und bemalte Buchenfiguren befänden, die vor 47 Jahren gestaltet worden wären und mit den Bäumen wüchsen. Beschrieben werden einzelne Figuren, welche die Philosophen, Heiligen, Einsiedler, Apostel u.a. darstellten. Eine aus zwei Wurzeln gewachsene Buche stellte die Apostel Peter und Paul dar. Auch hier fehlte nicht das Sporcksche Symbol FAGUS und das Jahr der Entstehung – 1731. Geweihte Haine wie diese waren in Europa keine Seltenheit. Das Erscheinungsbild dieses künstlerisch gestalteten Buchenwaldes veränderte sich, wie auch das der Lustschlösser, Fontänen und Steinskulpturen, mit der Zeit bis zur Unkenntlichkeit.

 

Durch die Zusammenstellung und Auswertung der Kartenunterlagen entstanden einige neue, in diesem Umfang noch nicht veröffentlichte Karten der Herrschaft, die die schrittweise Veränderung der Landschaft verdeutlichen. Das Ausmaß der Landschaftsgestaltung in der Zeit des Grafen Sporck zeigen am besten die Karten aus dem 18. Jahrhundert. Nicht weniger aussagekräftig sind die grafischen Darstellungen, auf denen scheinbar chaotisch die einzelnen Elemente in der Landschaft abgebildet werden, diese jedoch die grundlegenden Bauelemente einer durchdachten Barockkomposition bilden.

 

Die mit verschienenen Gehölzarten gestaltete Landschaftskomposition war durch Solitärbäume, Alleen und Gehölzgruppen geprägt, welche auf der farbigen Ölmalerei von Choustníkovo Hradiště aus dem Jahr 1754 verzeichnet wurden. Das in größeren Zusammenhängen komponierte Alleensystem ist hier deutlich zu erkennen. Die ein- oder zweireihig stehenden Alleebäume offenbaren ein Abbild der ursprünglichen, heute jedoch überwiegend untergegangenen Verbindungen/Wege, bieten eine Kulisse zu Teichsystemen und Fließgewässern, umrahmen die Waldränder oder stehen an der Grenze der Herrschaft. Die Alleen bildeten natürliche Verbindungen zwischen Orten von Belang (Gemeinden, abgelegene Mühlen, Forsthäuser und Höfe, Erholungsorte der Kurgäste, das geistliche und das weltliche Ufer des Kurorts Kuks usw.). Erhalten blieben konkretere Zeichnungen der von Stanovice (Stangendorf) bis nach Bethlehem (Betlém) im Neuwald (Nový les) führenden Allee und weiterer Alleen in diesem Areal.

 

Die Bereiche mit angelegten Alleen konzentrieren sich auf der Karte von 1754 überwiegend zwischen der Elbe und der südlichen Grenze des Waldkomplexes, also im wirtschaftlich günstigeren Teil des Gebietes. Im Nordteil zeigen sich reichere Waldbestände, scheinbar jedoch weniger Kompositionselemente. Die Karte der ersten Militärkartierung aus den Jahren 1764–1767 belegt hingegen, dass die zur Vernetzung bedeutender Standorte angelegten Alleesysteme auch durch diese Bereiche führten. Bei einigen der durch die Wälder führenden oder die wichtigsten Standorte der Komposition verbindenden Alleen konnte sogar die konkrete Zusammensetzung der Gehölze erfasst werden. Die Alleen im Neuwald (Nový les) und im Marien-Tal waren überwiegend Buchen- und Eichenalleen; die das weltliche und geistliche Ufer in Kuks verbindende Allee war eine Lindenallee. Von dieser Allee erzählt auch das Festgedicht über den Kurort Kuks von Sporcks Dichter G. B. Hancke Auf einer Seite die Tugenden, von welchen die Schönheit der Tugendhaften leuchtete, auf der anderen Seite, im Dunkeln, die Not der Lasterhaften. Der Einzug wird von der Lindenallee beschattet, für jene, die Ruhe vor der Sommerhitze suchen“. Im selben Gedicht wurde auch der sog. Maillen-Wald erwähnt, der wahrscheinlich durch eine Buchengruppe gebildet wurde – nach dem belgischen Maillen-Wald „Dort ist der Maillen-Wald, wo auf die Scheiben geschossen wird, wo der Maill und Kegeln die Langeweile verkürzen“.

 

Neben Buchen-, Eichen- und Lindenalleen waren vor allem auch Obstbaumalleen vertreten – entlang der Grundstücksgrenzen, insbesondere entlang der Felder und Wiesen. Eine aus Sporcks Familienarchiv stammende Skizze von einer nicht näher bestimmten Gemeinde gibt konkretere Anhaltspunkte zur Anordnung und Nutzung von Gehölzen in der Landschaft.

 

Ein eigenständiges und sehr wichtiges Kapitel in der kompositionellen Wahrnehmung des gesamten Gebietes der Herrschaft stellen die Solitärbäume dar. Ihre Position im Gelände ist auf den alten Karten, Malereien und Stichen verzeichnet. Zum Beispiel zeigt der Stich des Kurortes Kuks von A.Wortman (1727) zwei dicht zusammenstehende Solitärbaüme nördlich des Maillen-Walds am Ufer des Baches Drahyně. Ausgehend von der gestaltenden Funktion und der im Terrain nachweisbaren kompositionellen Achsengliederung des Gebiets, wurden nicht nur diese zwei Gehölze am angenommenen Standort entdeckt. Im Gebiet der Herrschaft Sporcks findet sich eine ganze Reihe von Baumriesen, die einen größeren Stammumfang als 5-6m haben (1,3m über der Oberfläche gemessen.) Nur einige Bäume (z.B. die Linde oder die Gruppe von 6 Eichen in Stanovíce sowie 3 Linden in Kuks) stehen unter Denkmalschutz. Viele noch mächtigere und wertvollere Gehölze, die während der Analyse potenzieller Komposition gefunden wurden, vor allem solche in den von Städten weiter entfernten Orten, werden nicht als denkmalgeschützte Bäume evidiert.

 

Bereits bei der Gestaltung der Landschaftskomposition bedachte Graf Sporck, vermutlich in Zusammenarbeit mit dem bedeutenden Landschaftsplaner und Gartenarchitekten Jan Henryk Klemm, diese Baumriesen und schloss die damals 100 Jahre alten Gehölze in die Komposition ein. Im Rahmen der Geländeuntersuchungen wurden insbesondere die Eichen nachgeprüft. Angemerkt werden muss, dass Sporcks Landschaftsgestaltung oft die Herrschaftsgrenzen überschritt.

 

Sporck ließ die Solitärgehölze bewusst an wichtigen Kompositionspunkten arrangieren; sie begleiteten und fixierten wichtige Stationen, kleine und bedeutendere Sakralarchitektur und weitere bedeutsame Standorte wie Einsiedeleien, Kreuze, Heiligenskulpturen, Flussquellen usw. Bis heute sind einige lokale Bezeichnungen lebendig, die die Bedeutung und Symbolik der Solitärgehölze unterstreichen: „Bei der Birne“, „Bei der Kirche“, „Bei den Linden“ oder „Bei der Buche“. Historische Aufzeichnungen und Bilddokumente geben Hinweise auf die gezielte Verwendung von Solitärgehölzen – wie zum Beispiel Buchen, Eichen, Fichten und Obstbäume als „Grenzbäume“ der Sporckschen Herrschaft.

 

Die wichtigsten Elemente der Sporckschen Landschaftskomposition sind durch die historischen Dokumente und Unterlagen nachweisbar. Über die Idee seines Kompositionsvorhabens sind gegenwärtig keine Aufzeichnungn bekannt. Neben dem bereits überprüften Achsensystem steht für den Nachweis von bedeutenden Kompositionszügen nur der aktuelle Landschaftszustand zur Verfügung. Vermutlich führten die beständige Wirtschaftsverwaltung und die Pflege des Waldbestands durch Sporcks Nachfolger und den St.-Hubertus-Orden am Anfang des 19. Jahrhunderts zur Fixierung einiger bedeutender, in vielen Fällen heute nicht mehr existenter Elemente, zum Beispiel durch die Pflanzung von Buchen an diesen Standorten (aktuelles Alter ca. 200 Jahre), wodurch wir heute Hinweise auf den ursprünglichen Standort dieser Elemente erhalten.

 

Die Nationalen Kulturdenkmäler Kuks und Brauns Bethlehem inklusive ihrer „Schutzzone“ (bearbeitetes Gebiet) bilden nur einen Teil der Gesamtfläche der Herrschaft Choustníkovo Hradiště. Unter Berücksichtigung ihrer kulturhistorischen, künstlerischen und natürlichen Werte verdient das ganze Gebiet konsequente und komplexe Pflegemaßnahmen, die im vorgelegten Managementplan entworfen wurden.

 

Ziel des erarbeiteten Werks war die Dokumentation und Veröffentlichung gewonnener Erkenntnisse, welche zum Verständnis, zur Popularisierung und insbesondere zum Schutz der kulturellen Werte dieser einzigartigen böhmischen Landschaft, einem Teil des europäischen Kulturerbes, beitragen.

 

 

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